Hoch hinaus im Gotteshaus

 

Zehn Jahre lang wollte die Evangelisch-methodistische Kirche ihr Kirchengebäude in der Max-Eyth-Straße verkaufen – ohne Erfolg. Jetzt wird eine andere Idee verfolgt: Die Kirche wird zu einer Kletterhalle.

MICHAEL KOCH | 

Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde die Evangelisch-methodistische Gemeinde in Metzingen aufgelöst. „Ihre Tendenz war stark schrumpfend“, blickt Bernd Schwenkschuster zurück. Als das Gebäude in der Max-Eyth-Straße nach Jahren noch immer nicht verkauft, sondern nur an andere Glaubensgemeinschaften vermietet war, kam dem jungen Pastor Schwenkschuster schließlich die Idee, in Metzingen einen Neustart zu wagen und wieder eine Gemeinde zu gründen. Sein Konzept fand bei den Kirchenoberen großen Anklang, also wurde er entsandt, um in Metzingen sein Glück zu suchen.

Und er fand es. Zahlreiche Freunde und Bekannte hatte Schwenkschuster von seinem Vorhaben unterrichtet und eingeladen, doch zumindest mal ein Jahr auf Probe Teil der neuen Kirchengemeinde zu sein. Eine „Start-Elf“ nahm die Einladung an.

Doch seither wächst und gedeiht die Gemeinde prächtig, was sicherlich an dem ungezwungenen Erscheinungsbild liegt. Drei Standbeine seiner Gemeinde definiert Bernd Schwenkschuster: Zum einen die Gottesdienste, die ein Mal im Monat in einer Kneipe stattfinden und zu denen meist zwischen 50 und 70 Personen kommen. Ein kurzer Impuls, fetzige Musik, ansonsten lockere Gespräche, so charakterisiert Schwenkschuster die Gottesdienste. Kein Wunder, dass das Durchschnittsalter seiner Gemeindemitglieder bei etwa 30 Jahren liegt, junge Erwachsene und ihre Familien sind die Zielgruppe.

Die inhaltliche Kirchenarbeit wird überwiegend in den Hauskreisen gemacht, wenn man „im kleiner Runde auch mal in die Tiefe gehen kann“, so der Pastor.

Die dritte Säule soll ein soziales Projekt sein. Grillstellen reinigen, Spielplätze beaufsichtigen oder Seniorenbetreuung in Pflegeheimen – alles keine schlechten Ideen. Damit die Nachhaltigkeit aber gewährleistet ist, „haben wir etwas gesucht, was uns auch Spaß macht und wo wir voller Leidenschaft dahinter stehen.“ Als im vergangenen Dezember im Spaß dann der Vorschlag kam, doch mal den markanten Uhrenturm vor der Kirche zu erklettern, war der richtige Samen gelegt. Daraus entstand letztlich das Projekt, die Kirche in eine öffentlich Kletterhalle umzubauen. Derzeit sind die Handwerker am Werk.

Als Betreiber wurde der Verein „ H3“ gegründet – Hochklettern, Herunterkommen, halt finden. Weil die Kirche keinen Eintritt verlangen darf und möchte, wird für die Kletterer eine Spendenkasse aufgestellt, schließlich müssen die 165 000 Euro Investitionskosten irgendwie refinanziert werden.

Die Kletterwände werden bis zu neun Meter hoch, der höchste Schwierigkeitsgrad wird 7+ sein. Besonders freut sich Schwenkschuster auch auf den Boulder-Bereich, in dem ohne Sicherung geklettert wird. Dieser Sektor erreicht das zugelassene Maximum von 4,50 Metern. Neben dem Kletterbereich wird ein Bistro in die Kirche integriert, wo etwa 25 Personen Sitzplätze finden. Zu den Öffnungszeiten werden immer mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirche vor Ort sein, um einzuweisen und aufzupassen. Benötigtes Material kann vor Ort ausgeliehen werden.

„Es kann ausdrücklich jeder kommen, Kindergeburtstag, Betriebsfeier, vielleicht eines Tages ein Angebot im Rahmen der Ganztagsbetreuung einer Schule, alles kein Problem“, sagt Bernd Schwenkschuster. Und niemand müsse Angst haben, hinterher in missionarisch wirkende Gespräche verwickelt zu werden.

bernd über das h3

 

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