Sport und Glaube: Klettern in der Christuskirche

 

SPORT UND GLAUBE – Die evangelisch-methodistische Gemeinde in Metzingen hat sich neu ausgerichtet und das Gotteshaus in der Max-Eyth-Straße umgebaut Von Thomas Füssel

 

METZINGEN. Vor wenigen Jahren stand sie noch zum Verkauf. Die Christuskirche in der Max-Eyth-Straße in Metzingen. Die schien niemand mehr zu brauchen, nachdem sich die evangelisch-methodistische Gemeinde aufgelöst hatte. Doch ein Käufer wurde für den Sakralbau nie gefunden. Inzwischen hat sich die freikirchliche Gemeinde wieder neu gefunden und das Gotteshaus umgebaut: zu einer Kletteranlage. »Damit bleibt die Kirche aber immer noch Kirche«, sagt Pastor Bernd Schwenkschuster, selbst passionierter Kletterer, der für das Projekt rund fünfzig ehrenamtliche Helfer um sich geschart hat, gleichwohl seine Kirchengemeinde nur elf Mitglieder zählt. Am Wochenende wird die Anlage eröffnet.

Laut Schwenkschuster dürfte es sich dabei um ein einmaliges Projekt handeln. Zwar gebe es durchaus Kirchengemeinden mit eigener Kletterwand. Doch ihm sei keine Kirche bekannt, die dafür das Gotteshaus selbst zur Verfügung stellt.

»Unsere Gottesdienste feiern wir bewusst in anderen Räumen«

Vor gut einem Jahr wurde die Idee vom Klettern in der Kirche entwickelt. »Unsere Gottesdienste feiern wir bewusst in anderen Räumen, um auch Menschen anzusprechen, die kirchenfern sind.« Dazu trifft sich die Gemeinde jeden dritten Sonntag im Monat in der Vereinsheim-Gaststätte des Turnerbundes. An guten Tagen sind es bis zu 70 Besucher. Für die evangelisch-methodistische Gemeinde in Metzingen ist das ein ansehnlicher Zuwachs. »Weil wir cool sind«, erklärt Pastor Schwenkschuster scherzhaft. »Wahrscheinlich liegt es am besonderen Ambiente eines Gasthauses.«

Aus der Christuskirche selbst, die einst bis zu 180 Gläubige aufnehmen konnte, wurde dagegen ein Treffpunkt für junge Erwachsene und Familien: Die können sich hier an einer 200 Quadratmeter großen Kletterwand austoben. Bis 8,50 geht es in die Höhe, die Routen reichen bis zum Schwierigkeitsgrad acht. Auch Bouldern ist möglich. Nicht umsetzen ließ sich dagegen die Vorstellung, den Kirchturm zum Klettern zu nutzen. Das hat die Statik nicht hergegeben.

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Pastor Bernd Schwenkschuster geht in der Metzinger Christuskirche selbst gerne klettern. FOTO: Gerlinde Trinkhaus
 

»Wer die Anlage nutzt, wird lediglich um eine Spende gebeten«

Dafür gibt es einen kleinen Bistrobereich als kommunikativen Mittelpunkt. Von hier aus darf den Kletterern gerne zugesehen werden. »Das soll ein Raum sein, wo sich Menschen begegnen, ohne gleich vom Pastor in Beschlag genommen zu werden«, sagt Schwenkschuster. »Ein Platz, wo auch die Herausforderungen des Lebens besprochen werden können.« Und das habe durchaus auch etwas mit klettern zu tun, sagt Schwenkschuster.

H3 heißt die Anlage. Das steht für: Hochklettern – Herunterkommen – Halt finden. Hochklettern fördere das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Nach dem Herunterkommen könne man sich im Bistro ausruhen, Kraft schöpfen und mit anderen ins Gespräch kommen. Und eben auch Halt finden: »Wir wünschen uns, dass das Leben durch hier geführte Gespräche bereichert wird«, so der Pastor weiter, der seine Gemeinde mit den Begriffen jung und dynamisch umschreibt. »Wir wollen Gemeindearbeit vernetzend, innovativ und lebensrelavant gestalten.« Dazu soll die Kletteranlage in der Kirche beitragen.

4 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit und rund 165 000 Euro wurden in die grundlegende Sanierung der Christuskirche und den damit verbundenen Umbau investiert. Im Untergeschoss befinden sich die Umkleiden. Dort hat auch die russische Gemeinde Räume gemietet.

Die Kletteranlage wird unter dem Dach eines gemeinnützigen Vereins geführt, um versicherungstechnisch und rechtlich abgesichert zu sein. »Wir verfolgen keine kommerziellen Interessen«, betont Bernd Schwenkschuster. »Wer die Anlage nutzt, wird lediglich um eine kleine Spende gebeten.« Einmal im Monat ist zudem an einen offenen Abend gedacht, ein Abend, der nicht unbedingt mit Klettern zu haben muss. »Wir denken an eine Plattform, wo sich soziale Projekte vorstellen können.«

Offiziell eröffnet wird die Kletteranlage am Samstag, 19. Oktober, um 15 Uhr. Am Sonntag, 20. Oktober, ist um 10.10 Uhr ein Gottesdinest in den neu gestalteten Räumen der Christuskirche. »Das wird sicher voll«, freut sich der kletternde Pastor. (GEA)

  • Gabi sagt:

    hallo,
    ich würde gerne zum klettern kommen. bitte geben sie mir die genaue adresse, ich komme von reutlingen.

    danke

    gruß
    gabi

  • Philipp sagt:

    Hi H3!
    Philipp und Constanze senden Grüße aus Fontainebleau!
    Wie wäre es mal mit einer Boulderfreizeit hierher?!
    Bis bald

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